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"Mit Tatkraft und Herz die Stadt geprägt" aus "Der Patriot" vom 21.09.2017

Große Spuren hinterlässt sie in der größten Stadt des Kreises, kommunalpolitisch wie im sozialen Bereich. Als erste und bislang einzige Frau in der langen Geschichte Lippstadts erhielt sie deshalb im September 2007 im Alter von 86 Jahren die Ehrenbürgerrechte der Stadt. Tatkraft, Durchsetzungsvermögen und Raffinesse, dazu ein ganz großes Herz für Mitbürger, die ihren Platz eher am Rande der Gesellschaft hatten, zeichneten sie aus. Diese Eigenschaften, ihr trockener Humor und die Klarheit ihrer Sprache werden Freunden, Wegbegleitern und älteren Lippstädtern in bester Erinnerung bleiben. Geboren wurde Dr. Barbara Christ am 10. Oktober 1920 als Tochter des Majors a. D. Waldemar Christ und dessen Frau Cläre, geb. Kisker. Nach dem Besuch des evangelischen Lyzeums in der Kahlenstraße und dem Abitur, das sie in einem Landschulheim in Holzminden bestand, studierte sie in Münster, Bonn, Freiburg und Prag Medizin. Nach der Flucht aus Prag im Jahr Mit Tatkraft und Herz die Stadt geprägt Christ. So wurde sie 1975 nach der kommunalen Neugliederung fast schon folgerichtig erste Bürgermeisterin der Stadt Lippstadt. Ihr erfolgreiches Wirken, das als Stadtoberhaupt bis 1984 andauerte, wurde in der Folge mit vielen Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt. So erhielt sie auch den Ehrenring der Stadt. Und das Ehrenkreuz der Bundeswehr – als Anerkennung für das große Be- 1945 promovierte sie in Düsseldorf. 1952 trat sie in die kinderärztliche Praxis von Dr. Rosenmüller ein, die sie dann 1959 übernahm. In den Nachkriegsjahren erfuhr sie hautnah das soziale Elend und die Not ihrer Patienten. So fasste die junge Ärztin den Entschluss: „Ich gehe in die Politik und helfe an der Lösung der sozialen und wirtschaftlichen Probleme mit.“ Ihre politische Laufbahn startete 1956 mit dem Einzug in den Stadtrat. Von 1964 bis 1968 war sie stellvertretende Bürgermeisterin, von 1969 bis 1975 Fraktionsvorsitzende der CDU. Zupackend und geradeaus – so erlebten und schätzten die politischen Wegbegleiter der eigenen und der anderen Parteien die Kommunalpolitikerin Christ. So wurde sie 1975 nach der kommunalen Neugliederung fast schon folgerichtig erste Bürgermeisterin der Stadt Lippstadt. Ihr erfolgreiches Wirken, das als Stadtoberhaupt bis 1984 andauerte, wurde in der Folge mit vielen Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt. So erhielt sie auch den Ehrenring der Stadt. Und das Ehrenkreuz der Bundeswehr – als Anerkennung für das große Be mühen um die „Bürger in Uniform“, sprich: die Soldaten in Lipperbruch. Sie in die Gemeinschaft zu integrieren, war ihr stets ein großes Anliegen. Doch nicht nur in der Politik setzte die gebürtige Lippstädterin Akzente. Der Aufbau und die Entwicklung der „Lebenshilfe“ als Einrichtung für Behinderte sind eng mit ihrem Namen verknüpft. Bis weit in die Nachkriegszeit wurden Kinder mit geistiger Behinderung aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt. Das Jahr 1963 läutete jedoch auch in Lippstadt einen Wandel ein: Am 9. Juli gründete sich eine Kreisvereinigung der Lebenshilfe – auf Initiative von Dr. Barbara Christ und Ottilie Hoischen, Lehrerin an der Pestalozzischule. Die beiden Frauen wollten sich mit dem perspektivlosen Dasein der Kinder nicht abfinden. Eine beispielhafte Erfolgsgeschichte, aus der unter anderem die heimischen Werkstätten für Behinderte hervorgingen, nahm ihren Lauf. Heute kümmern sich in der Lebenshilfe fast 400 Mitarbeiter um die Belange von rund 900 Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung aus dem Altkreis Lippstadt. Dr. Barbara Christ stand der Lebenshilfe 21 Jahre als Vorsitzende vor. Die enge Verbindung zu der Organisation pflegte sie danach als Ehrenvorsitzende weiter. Für ihren sozialen Einsatz Für ihren sozialen Einsatz erhielt Christ die goldene Plakette des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Letztmals öffentlich in Erscheinung trat Dr. Barbara Christ im Spätsommer 2016, als sie sich im Rahmen des CDU-Bewerbungsverfahrens für eine Bundestagskandidatur der Lippstädterin Dr. Anne Gudermann aussprach. Eine letzte Ehrung wurde Christ schließlich im Juli dieses Jahres zuteil. Für 40-jährige Mitgliedschaft wurde sie vom Lippstädter Schützenverein ausgezeichnet. „Alles was ich getan habe, war die Folge von Dingen, die sich so ergeben haben. Ich hatte viele hilfreiche Mitstreiter“, hatte Christ in ihrer Dankesrede bei der Verleihung der Ehrenbürgerechte im Lippstädter Rathaus am 8. September 2007 gesagt. „Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig und die, die es sind, sterben nie. Es zählt nicht, dass sie nicht mehr da sind“, lautet nun der von der Familie der Ehrenbürgerin auserwählte Trauerspruch. Dieses Zitat von Ernest Hemingway spiegelt die imposante Lebensleistung einer so bescheidenen wie großen Lippstädterin allzu trefflich wider. Die Trauerfeier für Dr. Barbara Christ findet am kommenden Dienstag, 26. September, um 13.30 Uhr in der Lippstädter Marienkirche statt. Die Beisetzung auf dem Hauptfriedhof schließt sich an.