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So bunt wie das Leben

So bunt wie das Leben Menschen mit Handicap sprechen in eigener Radiosendung über ihr Leben Lippstadt „Entschuldigung, wissen Sie, was ambulant betreutes Wohnen heißt?“ – diese Frage stellten Klienten des „Betreuen und Wohnen im Kreis Soest“ Passanten auf der Straße und sammelten damit O-Töne für ihre Radiosendung, die sie gemeinsam mit Mitarbeitern und Bürgerfunk-Medien-Trainer Conny Rupp erstellt haben. Eines vorweg: Viele der Passanten wussten es nicht, andere hatten sogar gänzlich falsche Vorstellungen. „Das hat uns ehrlich gesagt schon etwas irritiert“, sagt Stefanie Lässig von „Betreuen und Wohnen im Kreis Soest“. Die 21 Mitarbeiter des Ambulant Betreuten Wohnens machen Menschen mit geistigen, geistig-psychischen oder ausschließlich psychischen Handicaps peu à peu fit für ein selbstbestimmtes Leben – in der eigenen Wohnung oder in Wohngemeinschaften. „Umso wichtiger ist es uns, zu informieren und unsere Arbeit bekannter zu machen“, so Lässig. Die Idee zur eigenen Radiosendung habe sie schon längere Zeit im Hinterkopf gehabt. Darum habe sie bei Radio Lippeland, dem Bürgerfunk im Kreis Soest, angefragt. Im vergangenen Jahr ging’s in einer ersten Sendung zunächst um die verschiedenen Einrichtungen und die Geschichte des Vereins, aus dem schließlich „Betreuen und Wohnen im Kreis Soest“ entstanden ist. „Da war uns schon klar, dass das der Auftakt zu einer ganzen Reihe sein könnte“, so Lässig. „Und jetzt kommen auch unsere Klienten zu Wort – schließlich wollen wir so das ganze pralle Leben bei uns abbilden.“ Und dass die dabei ganz viel Spaß hatten, ist der rund 50-minütigen Sendung auch anzuhören: lockere Moderationen, eigene Schwerpunkte und natürlich eine bunte Auswahl an Lieblingsliedern. Viola, Christina, Reinhild und Micki – die Klienten – sprechen frei von ihren Einschränkungen, von ihrem Leben mit Handicap und davon, wie sehr sie es genießen, ein eigenständiges Leben zu führen – aber auch von Wünschen und Zielen. Ergänzt wird das Ganze mit Informationen der Mitarbeiter Vera Plieth, Ute Brink, Manfred Füchtenkamp und Stefanie Lässig. „Aber es ist richtig komisch, sich selbst sprechen zu hören“, sagt Christina, als die Mitwirkenden die Aufzeichnung zum ersten Mal gemeinsam anhören. Übrigens gab es keine Vorgabe, über was die Klienten sprechen, erklärt Lässig. „Das ist toll und macht es authentisch“, ist sich Conny Rupp, der als Medientrainer bei Radio Lippeland arbeitet, sicher. Da ist es auch nicht schlimm, wenn sich jemand am Mikrofon mal verhaspelt. „Da hab ich wohl Störungen gehabt“, erklärt Micki seinen kleinen Stotterer in der Sendung und steckt alle mit seinem herzhaften Lachen an. Vor allem die Auswahl der Musik habe viel Spaß gemacht, sind sich alle einig. Die ist nämlich genauso bunt gemischt wie die Mitwirkenden selbst. „Jeder durfte sein Lieblingslied aussuchen“, erklärt Lässig. Von Metal über Rap bis hin zu Schlager ist darum alles dabei – genauso unterschiedlich wie die einzelnen Mitwirkenden eben. Ob es für sie schwierig war, so frei und ehrlich über ihr Leben mit Einschränkungen zu sprechen? Reinhild schüttelt energisch den Kopf. „Ich stehe dazu und fertig.“ Und Viola fügt entschieden hinzu: „Schließlich sollen nicht nur die gesunden Menschen ins Radio kommen.“ kty In den eigenen vier Wänden Selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben und so viel Hilfe erfahren, wie es nötig ist, um selbstständig zu sein – das ist seit 25 Jahren das Ziel des Ambulant Beutreuten Wohnens unter dem Dach von „Betreuen und Wohnen im Kreis Soest“. Dank der Einrichtung können Menschen mit geistiger Behinderung oder Minderbegabung, mit Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung oder Menschen mit psychischer Behinderung, neurologischer Erkrankung oder traumatischer Störung ein selbstbestimmtes Leben führen – in den eigenen vier Wänden oder einer Wohngemeinschaft. Gemeinsam mit dem Klienten wird ein individueller Hilfeplan erstellt, der genau auf ihn zugeschnitten ist. Zur Seite stehen ihnen persönliche Bezugsbetreuer, die den Klienten im Alltag unter die Arme greifen. Die Sendung mit den Klienten ist am Montag, 15. Mai, um 20 Uhr im Hellweg Radio zu hören. Zur Auffrischung gibt’s eine Woche zuvor, am Montag, 8. Mai, um 20 Uhr noch einmal die erste Sendung.