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Ausstellung im Erwitter Rathaus: Farbwunder für die Inklusion von Maybrit Rinsche am 20. August 2019 18:13 Uhr Erwitte

Kunstwerke sollen bald wieder die Flure und Gänge des Erwitter Rathauses verschönern. Die Künstler, die hinter den Bildern stecken, stammen aus der Erwitter Einrichtung Betreuen und Wohnen. „Das ist etwas Besonderes“, findet Bettina Marbeck von der Stadtverwaltung. Erwitte – Knallpink hat Heinrich Kipp die kleine Leinwand, die er in den Händen hält, angemalt. Doch eigentlich ist das Pink nur noch an den Rändern zu sehen. Gelbe, violette, weiße, blaue und grüne Farbtupfer bedecken den Rest. Kipp ist der Künstler, der diese kleine Farbexplosion erschaffen hat. Er wohnt in einem der Häuser für Menschen mit Behinderung von Betreuen und Wohnen in Erwitte. Sein Bild soll zusammen mit den Kunstwerken seiner Mitbewohner ab Mittwoch, 4. September im Erwitter Rathaus, wo regelmäßig Künstler ihre Werke ausstellen, hängen. „Die Menschen, die in den Häusern von Betreuen und Wohnen leben, gehören zu Erwitte. Mit dieser Ausstellung wollen wir darauf aufmerksam machen“, sagt Marbeck. Es sei wichtig, dass die Verwaltung diesen Gedanken unterstützt, denn noch sei man nicht am Ende des Weges bis zur Inklusion angekommen. Außerdem könnten die Besucher des Rathauses so sehen, was Menschen mit Behinderung in Sachen Kunst so drauf haben. „Wir haben gemerkt, dass unsere Bewohner sehr viel künstlerisches Potenzial besitzen“, sagt Einrichtungsleiterin Barbara Mertens. Sie hätte sich schon länger ein Kunstprojekt für die Bewohner gewünscht. Zustande gekommen ist solch ein Projekt vergangenes Jahr. Die ausgebildete Sonderpädagogin Elke Stratmann war auf sie zugekommen und hat angeboten, mit den Bewohnern kreativ zu arbeiten. Sie habe sich in ihrem Bereich ehrenamtlich engagieren wollen. „Und es macht mir unglaublich viel Spaß“, sagt sie. Im Mai 2018 hat die ausgebildete Sonderpädagogin begonnen, zweimal die Wochen für ein paar Monate, mit den Bewohnern Kunst zu machen. Acrylfarben – und auch mal Glitter und Spachtelmasse – kamen dann auf die Leinwände. Gemalt wurde nicht mit dem Pinsel, sondern mit unterschiedlichsten Werkzeugen: Mit der Fliegenklatsche wurde zum Beispiel die Farbe auf die Leinwand geklatscht, mit Schwämmen getupft, mit Malerrollen aufgerollt, mit Spritzen gespritzt oder einfach mit den Händen geschmiert. „Ein Pinsel kann nämlich schneller zur Hürde werden, als wenn man sich einfach austoben und gucken kann, was dabei rauskommt“, sagt Einrichtungsleiterin Mertens. Tatsächlich seien die Bewohner so kaum noch zu stoppen gewesen. „Das hat ganz viel Spaß gemacht“, versichert Bewohner Heinrich Kipp. Und es entstanden farbenfrohe und abstrakte Kunstwerke. Zu Weihnachten haben die Bewohner ihren Betreuern diese Bilder geschenkt. Von Januar bis Juni ist das Projekt mit Stratmann ein zweites Mal gestartet. Die 35 Gemälde, die dabei entstanden sind, sollen nun das Rathaus zieren. Eröffnet wird diese besondere Ausstellung mit dem Titel „Farbwunder“ im Rathaus am Mittwoch, 4. September, mit einer Vernissage. Die beginnt um 18.30 Uhr. Neben den Gemälden soll es eine Stellwand mit Fotos geben, die zeigen, wie die Kunstwerke entstanden sind. Für eine musikalische Begleitung sei ebenfalls gesorgt, sagt Marbeck. Danach kann die Ausstellung, die vom Kulturring Erwitte begleitet wird, zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden. Und geht das Kunstprojekt für die Bewohner von Betreuen und Wohnen nach der Ausstellung weiter? Wenn es nach Heinrich Kipp geht, auf jeden Fall: „Ich komme wieder.“ Mertens aber sagt, dass sie das nach der Ausstellung entscheiden wollen. Schließlich müssten die Materialien finanziert werden. Info Vernissage der Ausstellung „Farbwunder“, Mittwoch, 4. September, um 18.30 Uhr, Rathaus Erwitte, Am Markt 13.