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"Ein ganz anderes Leben" aus "Der Patriot" vom 31.03.2018

„Ein ganz anderes Leben“ von Carolin Cegelski am 01. April 2018 - 19:19 Uhr Lippstadt Bevor Michael sein Appartement am Marblicksweg bezogen hat, hat er in einem Haus auf Gut Mentzelsfelde gewohnt. „Mein Zimmer war klein, das Bad mussten wir uns teilen“, erinnert er sich. „Das war nicht so schön und nicht mehr zeitgemäß.“ Jetzt hat Michael sein eigenes Reich und ist glücklich. „Ich bin schnell zu Fuß in der Stadt, habe gute Busanbindungen und der Supermarkt ist nicht weit entfernt“, erklärt er die Vorteile. 24 Menschen mit Behinderung sind im Juni 2017 in das neue Wohnhaus der Lebenshilfe am Marblicksweg eingezogen. 2,4 Millionen Euro hat der Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Wäscherei Erdmann und Kehl gekostet. 24 Appartements – acht auf jeder Etage – mit Küchenzeile und eigenem Bad bieten den Bewohnern die Möglichkeit, mit Unterstützung ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. „Die Bewohner werden dabei von den Mitarbeitern je nach Bedarf unterstützt“, erklärt Silvia Kiel, die bei der Lebenshilfe den Bereich Wohnen leitet. Und auch sonst bietet das neue Wohnhaus einige Vorteile: „Es ist für die Bewohner ein ganz anderes Leben“, sagt Mechthild Fortkort, Teamleiterin des Wohnhauses. Nicht nur die Nähe zu Stadt, Supermarkt, Krankenhaus und Physiotherapiepraxis ist von Vorteil. Die baulichen Gegebenheiten machen es sogar möglich, die Bewohner – im Schnitt zwischen 30 und 40 Jahre alt, der Älteste ist 72 – vor Ort bis ins hohe Alter zu pflegen. Und das Entscheidende: Die Bewohner, die vorher in den Wohnhäusern auf Gut Mentzelsfelde und an der Mercklinghausstraße gewohnt haben, haben nun die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Wer möchte, kann natürlich in einem der zwei Gemeinschaftsräume nach der Arbeit einen Kaffee trinken: „Hier können die Bewohner ihren Tag besprechen“, erklärt Silvila Kiel. Dort wird auch an den Wochenenden und Feiertagen das Essen serviert, das ein Caterer im „Cook and Chill“-Verfahren anliefert. „Wir garen das Essen nur noch“, sagt Mechthild Fortkort. Im Sommer können alle zum Essen auf der großen, überdachten Terrasse sitzen. „Es fehlt noch eine Markise und ein Sichtschutz.“ Nicht nur Michael gefällt’s am Marblicksweg richtig gut. Auch Christian, Fabian und Ingeborg sind stolz auf ihre eigenen vier Wände: „Bald wohnen wir schon ein ganzes Jahr hier“, sagt Ingeborg und lacht. „Darauf müssen wir anstoßen.“ Und was passiert mit dem Wohnhaus an der Mercklinghausstraße? Die Lebenshilfe überlegt, dort eine integrativ-inklusive Wohnform anzubieten – so wie an der Glennestraße in Bad Waldliesborn. Dort leben Menschen mit Behinderung in einer eigenen Mietwohnung. Sie werden dort im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens unterstützt.