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Man bekommt von den Menschen viel zurück

 „Man bekommt von den Menschen viel zurück“ Freiwilligendienste bei der Lebenshilfe: Mehr freie Stellen als Bewerber Lippstadt - Klaus ist auf der Suche nach seinem Fahrradschlüssel. Der ist weg. Verschwunden, irgendwo auf einer Wiese. „Könnt Ihr mir helfen“, fragt Klaus. Lisa-Marie Schmidt, Berit Stellmacher und Michelle Ashley Cooper streifen mit ihm durchs Gras. Mit Sabrina spielen sie Karten. Dabei haben die Frauen viel zu lachen. Anschließend trinken sie Kaffee mit Francesco. Lisa-Marie Schmidt, Berit Stellmacher und Michelle Ashley Cooper haben etwas gemeinsam: Sie haben ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gemacht oder sich im Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Lebenshilfe in Lippstadt engagiert. Dort werden die freiwilligen Helfer händeringend gesucht. „Seit zwei, drei Jahren haben wir nicht mehr so viele Bewerber für die Freiwilligendienste“, sagt Wilhelm Glarmin, Geschäftsführer der Lebenshilfe in Lippstadt. Von den 15 Stellen, die die Lebenshilfe im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres und des Bundesfreiwilligendienstes in den verschiedenen Einrichtungen anbietet, sind derzeit noch neun unbesetzt. „Die zwei Stellen in der Kindertageseinrichtung sind immer recht schnell besetzt“, berichtet Glarmin. Dabei ist das Lebenshilfe-Netzwerk viel größer - in den Wohngruppen und den Werkstätten ist immer Unterstützung gefragt. Ohne das Engagement junger Menschen müssten „Dinge wegfallen, die über das normale Maß der Betreuung hinausgehen“, erklärt Silvia Kiel, Einrichtungsleiterin der Wohnstätten Lippstadt. Dazu zählen zum Beispiel individuelle Freizeitangebote für die Menschen, die in den Wohngruppen leben, eine intensive Begleitung bei der Arbeit in den Werkstätten, Fahrdienste oder Dinge, die auf den ersten Blick vielleicht als Kleinigkeit erscheinen, für Menschen mit Behinderung aber großes Glück bedeuten: „Über einen Cappuccino können sich einige eine ganze Woche lang freuen“, sagt Lisa-Marie Schmidt. Oder darüber, ein Eis zu essen und in die Stadt zu gehen. Oder ein Spiel zu spielen. „Diese Freiheiten würden ohne Unterstützung fehlen“, sagt Kiel. Und nicht nur die Bewohner, sondern auch die Freiwilligen selbst profitieren vom Engagement - auch mit Blick auf die spätere Berufswahl: „Junge Menschen haben die Möglichkeit, sich in einem Berufsfeld zu orientieren“, sagt Glarmin. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Arbeit mit Erwachsenen genau das Richtige für mich ist“, sagt Michelle Ashley Cooper. Die 21-Jährige hat vor ihrem Bundesfreiwilligendienst viel mit Kindern - teilweise auch mit Behinderung - gearbeitet, Praktika an Grundschulen und Kindergärten gemacht oder Schwimmkurse gegeben. „Ich mag die herzliche Art der Menschen und ich konnte viel dazulernen“, sagt sie. Zum Beispiel bei den internen und externen Bildungstagen, die für die Freiwilligen dazugehören. Bei den Schulungen lernen die jungen Frauen zum Beispiel mehr über Pflege, Recht, die Behinderungen und erfahren in Ansätzen selbst, wie es ist, eine Behinderung zu haben. „Der Austausch mit Kollegen war interessant“, sagt Michelle Ashley Cooper. Und weil ihr die Arbeit „viel Spaß macht“, ist sie irgendwie „hängengeblieben“. Seit August macht die 21-Jährige bei der Lebenshilfe eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Bei der Lebenshilfe „hängengeblieben“ ist auch Kollegin Lisa-Marie Schmidt. „Der Umgang mit Menschen macht viel Spaß“, sagt die 21-Jährige, die nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr ebenfalls ihre Ausbildung begonnen hat. „Es gibt viele schöne Situationen, aber auch solche, die nicht so schön sind“, berichtet Lisa-Marie Schmidt von ihren Erfahrungen. „Man bekommt von den Menschen viel zurück und immer eine ehrliche Rückmeldung - da passiert nichts hinterm Rücken.“ Allerdings: „Man muss wirklich geduldig sein - oder man lernt es“, sagt sie und lacht. „Und wenn man es wirklich möchte, bekommt man viele Freiheiten, um eigene Ideen zu entwickeln.“ Und manchmal ändert sich auch die Sichtweise: „Ich habe meine Berührungsängste verloren“, sagt Berit Stellmacher (19). Sie besucht jetzt allerdings wieder eine Schule, um sich im Bereich Wirtschaft und Verwaltung weiterzubilden. „Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist ein toller Einstieg in einen sozialen Beruf“, sagt Silvia Kiel. „Die Beziehungsarbeit mit Menschen mit Behinderung ist etwas ganz besonderes.“ - cc