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Mit 20 ins Altenwohnheim

Mit 20 ins Altenwohnheim Betroffene zeigen dem neuen Bundesteilhabegesetz die rote Karte lippstadt - „Menschen, die zum Beispiel allein leben möchten oder sich allein einen bestimmten Kinofilm anschauen möchten, sollen das mit Hilfe ihres Betreuers auch weiterhin können.“ Durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG), das jetzt in erster Lesung im Bundestag besprochen wurde, könnte sich die Situation laut Hendrik Hoffjann, Fachreferent des Facharbeitskreises „Wohnen für Menschen mit Behinderung“ des Wohlfahrtsverbands des Paritätischen NRW ändern - und davor hätten viele Betroffene Angst. Um ihren Unmut auszudrücken, zeigten sie dem neuen Gesetzesentwurf gestern in der gemeinsamen Aktion „Es ist fünf vor zwölf“ im Kasino die rote Karte. „Der jetzige Entwurf bringt einige Verbesserungen für wenige, aber behindert Teilhabe für viele. Er entspricht nicht der UN-Behindertenrechtskonvention, die auch Deutschland unterschrieben hat“, kritisiert Hoffjann weiter. „Erfüllt nicht mehr den Zweck“ Was die Betroffenen am BTHG besonders störe, wussten auch die anderen Mitglieder des Arbeitskreises am Aktionstag. „Es stellt sich die Frage, wer mit dem neuen Gesetz überhaupt noch ins Hilfesystem reinkommt“, erklärte Kathrin Bücker, Leiterin „Gemeinsam Wohnen“ in Bielefeld. Es sei ohnehin schon schwierig, dass eine Behinderung und der Hilfebedarf überhaupt anerkannt werden. Die Kriterien dafür würden mit dem neuen Gesetz noch sehr viel strenger. „Die Menschen brauchen die Hilfe, die sie bisher hatten.“ Bernhard Dickhut, Geschäftsführer der Lebenshilfe in Herne, fügte hinzu: „Die, die bisher relativ wenig Betreuung brauchten, bekommen dann vielleicht gar keine mehr. Und die, die heute viel Betreuung brauchen, könnten ins Pflegesystem abrutschen.“ Die Folge: Eine zum Beispiel 20-jähriges behindertes Mädchen würde ins Altenpflegeheim „abgeschoben“. Kritisiert wird auch das sogenannte Zwangspooling. Leistungen zur gesellschaftlichen Teilhabe können im neuen Gesetz gepoolt werden. Heißt: Der bereits angesprochene Kinobesuch würde dann zum Zwang werden für alle Bewohner eines Wohnheimes. Individuelle Interessen müssten in den Hintergrund treten. „Es gibt zum Beispiel behinderte Kinder, die brauchen im Schulunterricht einen Betreuer für sich allein, weil sie vielleicht sehr unruhig sind oder ähnliches.“ Mit dem neuen Bundesteilhabegesetz könnte es passieren, dass sich diese Kinder einen Betreuer mit anderen Bedürftigen teilen müssten. „Dann erfüllt es nicht mehr den Zweck“, so Kerstin Weitemeier, Geschäftsführerin des Wohlfahrtsverbands Der Paritätische Soest / Hochsauerlandkreis. - jac